Pressespiegel (2002)
Bürgerinnen und Bürger
gegen das Luftkreuz
auf Stadtflughäfen
Datum: 27.11.2002

An den
Senator für Verkehr
Herrn
Peter Strieder
Württembergische Straße 6
10707 Berlin

Offener Brief

Notlandungen auf den Flughäfen Tegel und Tempelhof über Änderung der Betriebsgenehmigungen untersagen!

Sehr geehrter Herr Strieder!

Die Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) hat uns aufgrund   unseres Offenen Briefes vom 12. November  mitgeteilt, dass sich die Aufgabe der DFS bei Notlandungen auf die Unterstützung des Luftfahrzeugführers beschränkt, die Auswahl des Flughafens aber alleinige Angelegenheit des Piloten ist.

Wir können den Inhalt dieses Schreibens jedoch nicht akzeptieren und wenden uns in dieser Angelegenheit deshalb an Sie in Ihrer Funktion als Chef der Aufsichtsbehörde über die Flughäfen Tegel und Tempelhof. Wir bitten Sie, im Interesse der Sicherheit von Personal, Passagieren und Anwohnern, die Betriebsgenehmigung für die Flughäfen Tegel und Tempelhof dahingehend zu ändern, dass bereits außerhalb des Stadtgebietes "geplante" Notlandungen - wie dies bei der B 747 von British Airways im September 1999 der Fall war - nicht mehr über unseren Wohngebieten abgewickelt werden dürfen.

Es geht uns also nicht um den Abbruch von Landeanflügen, die sich über dem Stadtgebiet zur Notlandung entwickeln. Obwohl  das sich daraus ergebende Gefahrenpotential auch Ihnen deutlich machen sollte, dass Tegel und Tempelhof als Flughäfen nicht mehr zeitgemäß sind und schnellstmöglich aufgegeben werden müssen. Die geplante Schließung von Tegel erst im Jahr 2009 oder gar 2010 bei ständig zunehmendem Flugverkehr ist auch unter dem Sicherheitsaspekt nicht hinnehmbar.

Geradezu bestürzt sind wir angesichts der Aussage der Deutschen Flugsicherung, dass die Entscheidung, welcher Flughafen in einer Notsituation angeflogen wird, allein beim Piloten liegt.

Die Flugsicherung ist ja letztlich - obwohl Vergleiche natürlich oft schwierig sind - zusammen mit dem Luftfahrtbundesamt so etwas wie die Polizei der Lüfte.

Welcher Polizeibeamter käme wohl auf die aberwitzige Idee, dem Fahrer eines Tanklastzuges mit ausgefallenen Bremsen die Entscheidung zu überlassen, wo er die Autobahn verlassen möchte, weil er da vielleicht eine gute Werkstatt kennt. Und, wenn der Lastzug auf diesem von der Polizei lediglich "unterstützten" Weg einen Unfall mit fatalen Folgen verursacht, dem toten Fahrer die Verantwortung dafür mit ins Grab zu geben.

Mit dieser Argumentation - und genau so begründet die Flugsicherung ihr Tun im Schreiben vom 21. 11. 02 - wird die DFS ihrer Verantwortung nicht gerecht. 

Auch die Äußerungen der Pressesprecherin der Verkehrsverwaltung in der Morgenpost vom 13. 11. 02 ( "Die Verkehrsverwaltung des Berliner Senats habe keinen Einfluss darauf, welche Landebahnen Flugzeuge im Notfall ansteuern dürfen und welche nicht") sind lediglich ein inakzeptabler Versuch, die Verantwortung für einen möglichen Absturz anlässlich einer Notlandung schon vorab dem dann vermutlich toten Piloten mit in den Sarg zu legen

Bei einem jederzeit möglichen Absturz in die Wohngebiete unserer Stadt werden Sie sich in der öffentlichen Diskussion dieser Verantwortung nicht entziehen können.

Mit freundlichen Grüßen
(Johannes Hauenstein)